Der alte Mann und der Trend der Zeit

 

Rolf Müller

 

Gott hat das Geringe erwählt (1. Korinther 1, 18 – 31). Das gerät immer wieder aus dem Blickfeld. Wer will schon gering sein? Auch der alte Mann möchte lieber angesehen und geachtet sein und etwas darstellen. Er sehnt sich nach Anerkennung bei den Menschen. Er freut sich nicht über Gegenwind.

 

Die Völker und Nationen suchen die Einheit und finden sie nicht. Sie hoffen, durch Globalisierung mehr Einfluss zu gewinnen. Es ist wie beim Turmbau zu Babel. Es herrscht ein Hang, groß zu sein. Man möchte beachtet werden.

 

Auch die Christenheit strebt nach mehr Einfluss in der Gesellschaft. Leider kennt sie die Bibel kaum noch. Sie richtet sich jedenfalls nicht nach ihr. Die alten Zöpfe müssen weg, etwas Neues muss her. Neue Themen, neue Ziele, neue Gemeinden, neue Lieder, neue Gesinnung, neue Gesetze. Die Religionen sollen vernetzt werden, die Zusammenarbeit mit ihnen soll verstärkt werden. Aus jeder Religion das Beste! Es ist ja der gleiche Gott!

 Wenn die Religion ein wenig christlich eingefärbt wird, ist es in Ordnung! Lasst uns miteinander die Welt verändern! Gemeinsam sind wir stark!

 

Wie soll sich die Gemeinde Jesu in diesen Zeiten verhalten? Soll sie sich dem Trend anschließen? Der alte Mann rät: Fest und entschlossen auf Jesus schauen! An Jesus glauben! Nüchtern sein! Das Wort Gottes studieren! Die Seele soll zur Ruhe kommen im Herrn. Gott kommt klein und still. Die Hektik tut dem geistlichen Leben nicht gut.

 

Gott gestaltet die Seinen in sein Bild. Jesus ist unser Heiland, Erretter und Erlöser. Er vergibt den Menschen die Sünde und gibt ihnen die Macht, Gottes Kinder zu heißen. Er ruft zur Nachfolge im Zeichen des Kreuzes. Gott gibt den Demütigen Gnade, er liebt die geringe Gestalt. Was töricht ist vor der Welt, hat Gott erwählt. Nachfolge bedeutet auch Trübsal und Zerbruch. „Haben sie mich gehasst, werden sie euch auch hassen!“

 

Der alte Mann hat erfahren, dass er Christus nirgends näher ist als im Kreuz. Vom Kreuz gehen segnende und bewahrende Kräfte aus. „Unter des Heilandes Kreuz finde ich selige Ruh.“

 

Gott hat die Religionen nicht erwählt. Sie sind antichristlich. Er will nicht unsere religiösen Anstrengungen. Im Reich Gottes gilt kein Leistungsprinzip. Frei schenkt er uns in Christus seine Gnade. Er ist der Auferstandene. Mit ihm bricht das helle Osterlicht in die Welt. Etwas Gleichwertiges bieten keine Religionen. In den Worten Jesu: „Es ist vollbracht!“ liegt unser Heil. In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit wahrhaftig.

 

Dem alten Mann wurde gesagt, alle Menschen seien Kinder Gottes. Das stimmt nicht. Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes. Kinder Gottes werden sie nur durch den Glauben an Jesus, durch Wiedergeburt, durch eine Neuschöpfung von oben. Es gibt nur einen Heiland, der heißt Jesus Christus. Der liebt die Geringen, die Sünder, die Demütigen, die nichts Eigenes vorweisen können. Durch ihn bekommen wir den Himmel. Wir vertrauen nicht auf nutzlose Götzen. Unser König heißt Jesus. Er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende.

 

 

                                                                       „Bei dir, Jesus, will ich bleiben, 

stets in deinem Dienste stehn,   

nichts soll mich von dir vertreiben,   

 will auf deinen Wegen geh ‘n.       

 Du bist meines Lebens Leben,     

  meiner Seele Trieb und Kraft,    

  wie der Weinstock seinen Reben 

 zuströmt Kraft und Lebenssaft.

 

Könnt ich´s irgend besser haben

 als bei dir, der allezeit                 

 so viel tausend Gnadengaben      

    für mich Armen hat bereit?    

  Könnt ich je getroster werden    

   als bei dir, Herr Jesus Christ,      

  dem im Himmel und auf Erden 

 alle Macht gegeben ist?

 

Wo ist solch ein Herr zu finden,    

 der, wie Jesus tat, mir tut;          

   mich erkauft von Tod und Sünden      

 mit dem eignen teuren Blut?       

 Sollt ich dem nicht angehören,    

 der sein Leben für mich gab;     

  sollt ich ihm nicht Treue schwören,      

   Treue bis in Tod und Grab?

 

Ja, Herr Jesus, bei dir bleib ich    

 so in Freude wie im Leid;              

                                           bei dir bleib ich, dir verschreib ich                                                     

   mich für Zeit und Ewigkeit.         

 Deines Winks bin ich gewärtig,   

 auch des Rufs aus dieser Welt;   

 denn der ist zum Sterben fertig, 

 der sich lebend zu dir hält.“

 

Philipp Spitta.

  

 

Mit freundlicher Genehmigung

 Autor: Rolf Müller