Der alte Mann und Theater im Gottesdienst

 Rolf Müller

 

Soll man Gebete tanzen? Sollen Gebete im Gottesdienst nur gesprochen oder mit Gebärden veredelt werden? Ist es wirkungsvoller, wenn das Gebet mit Musik unterlegt wird? Soll man beim Gebet still stehen oder den Körper auf rhythmische Weise einbeziehen? Kommt man damit den Bedürfnissen der Leute entgegen?

 

Dem alten Mann sind in seinem Leben schon viele Meinungen und Praktiken begegnet. Weil viele Menschen vom Fernsehen geprägt seien, müsse man dem auch im Gottesdienst Rechnung tragen. Das Evangelium müsse vor allem über das Auge vermittelt werden. Tanz und Theater könnten den Glauben besser ausdrücken als viele Worte. Die meisten Gottesdienste seien zu predigtlastig und deshalb langweilig.

 

Dem alten Mann fällt weiterhin auf, dass heute in der Gemeinde Küsse und Umarmungen bei der Begrüßung zum guten Ton gehören. Es wird große Betonung auf Körperkontakt gelegt. Man drückt damit Herzlichkeit und Zuneigung aus. Er hat das Händeschütteln ersetzt. Ist das ehrlich gemeint oder zieht man eine Schau ab? Sind wir Schauspieler?

 

Dem alten Mann wurde gesagt, Tanz und Theater seien Grundelemente von Anbetung und Evangelisation. Der Mensch sei körperlicher Natur und müsse sich deshalb vor allem durch Tanz ausdrücken. Tanz sei ein Teil des Erlösungsprozesses und gehöre zum Lebensstil eines Christen. Wenn wir Gott lieben, müssten wir das nicht nur mit Worten, sondern mit dem ganzen Körper ausdrücken. Unser Leib könne ein legitimes Mittel des Lobpreises sein.

 

Wegen solcher Themen kommt es in vielen Gemeinden zu Streit und im schlimmsten Fall zur Spaltung. Für den alten Mann ist maßgebend, was die Bibel sagt. Spurgeon hat es auf den Punkt gebracht: „Wollen wir Schafe weiden oder Böcke belustigen?“ Die Bibel bezeugt an vielen Stellen, dass Gott durch sein lebendiges Wort Menschen bekehrt.

 

Der alte Mann findet keine Bibelstelle, die aussagt, dass der Herr Jesus die Bergpredigt getanzt hat. Er hat auch die Speisung der Fünftausend nicht als Theaterstück aufgeführt. Jesus Christus spricht: „Meine Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.“ Der Apostel Petrus hat seine bekannte Pfingstpredigt nicht getanzt. Er hat die Heilstatsachen der Bibel erklärt. Gott hat dafür gesorgt, dass die Worte in vielen Sprachen der Völker verstanden wurden. Gott wird im Geist und in der Wahrheit angebetet.

 

Dem alten Mann ist klar, dass Tanz und Theater im Gottesdienst nichts zu suchen haben. Es ist das Kennzeichen einer armseligen Christenheit, wenn sie nach immer neuen weltlichen Methoden ausschaut. Das mag in guter Absicht geschehen, aber man verwässert die Botschaft und wandelt sie ab, wenn man sie für Menschen von heute „schmackhaft“ machen will. Soll das bedeuten, dass Gottes Wort „geschmacklos“ ist?

 

Es wird geredet, ohne dass etwas gesagt wird. Man ersetzt das Wort Gottes durch Spektakel und Firlefanz. Die Predigt wird zur Randerscheinung.

 

Der alte Mann weiß, dass der Apostel Paulus das Wort vom Kreuz predigte. Er hat den Leuten Jesus, den Gekreuzigten, vor Augen gemalt. Durch das Wort teilt Gott sein Heil den Menschen mit. Wenn die Gemeinde aufhört, Gottes Wort zu predigen, hört sie auf, Gemeinde zu sein. Gott rettet nicht durch Tanz und Theater, sondern durch die „Torheit der Predigt“. Wenn Gott der Gemeinde sein Wort als vollmächtiges Werkzeug gegeben hat, ist es ein Trauerspiel, wenn sie nach anderen Methoden Ausschau hält. In unserer Spaßgesellschaft geht es um Gefühle. Für die Wahrheit interessieren sich nur noch wenige. Allein durch das Wort Gottes kommen Menschen zum Glauben. „Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aber aus dem Wort Gottes.“

 

Dass dein Wort in meinem Herzen

starke Wurzeln schlägt

und dein Geist in meinem Leben

gute Früchte trägt,

deine Kraft durch mich die Welt

zu deinem Ziel bewegt,

Herr, du kannst dies Wunder tun.

 

Gut gemeint und schlecht gemacht,

oberflächlich ausgedacht

ist so vieles, es verdorrt

ohne dein Wort.

 

(Theo Lehmann/ Jörg Swoboda).

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller