Der alte Mann und Naeman

(2. Könige 5)

 Rolf Müller

 

Ein israelisches Mädchen wird nach Syrien verschleppt. Sie landet bei der Frau des syrischen Generals Naeman. Der wird unheilbar krank. Das Mädchen reibt sich nicht schadenfroh die Hände: „Das geschieht ihm recht! Das ist die Strafe Gottes, weil er mich aus meiner Heimat verschleppt hat!“ Nein, das Mädchen hat Mitleid mit Naeman, er tut ihr leid.

 

Der alte Mann bewundert die Feindesliebe dieses Mädchens. Es hat Glaubensmut. Sie erzählt ihrer Herrin von Elisa, dem Prophet in Samarien. Sie traut dem Gott Israels alles zu, auch die Heilung von Aussatz, obwohl das in Israel noch nie geschehen ist (Lukas 4,27).

 

Naeman schöpft Hoffnung. Er macht sich auf nach Israel. Im Gepäck hat er Silber, Gold, Feierkleider sowie einen Brief seines Königs. Er hofft, geheilt zu werden. Schließlich kommt er nicht mit leeren Händen.

 

Joram, der König Israels, erschrickt, als er den Brief des Königs von Aram liest. Sucht der Streit? Ihm ist klar, dass er Naeman nicht heilen kann. Auch der Prophet Elisa kommt ihm nicht in den Sinn. Joram hat keinen Kontakt zu ihm.

 

Elisa selbst knüpft diesen Kontakt. Er schickt einen Boten zu Joram. Naeman soll zu ihm kommen, er will ihn heilen.

 

Dem alten Mann fällt auf, dass Elisa keine Angst vor dem großen General hat. Elisa kommt nicht einmal heraus, um ihn zu begrüßen. Er schickt einen Boten mit dem „Rezept“: Siebenmal im Jordan untertauchen.

 

Naeman ist zornig. Wütend kehrt er um. Der alte Mann kennt ebenfalls Leute, denen der Glaube an Jesus Christus zu einfach ist. Sie verachten die Gnade. Sie wollen zu ihrem Heil beitragen. Sie weigern sich, die Gnade Gottes anzunehmen.

 

Naeman fühlt sich in seinem Stolz gekränkt. Er hat eine Zeremonie erwartet, die seiner Würde entspricht. Er weigert sich, in einem schmutzigen Fluss unterzutauchen.

 

Die Knechte Naemans reden ihm gut zu: „Sei doch vernünftig! Elisa verlangt doch keine große Sache! Was kann denn schon passieren, wenn du einen Versuch machst? Etwas Schwieriges und Großes würdest du doch auch tun!“

 

Naeman kommt herunter von seinem hohen Ross. Er tut, was Gott ihm durch Elisa gebietet. Er taucht siebenmal im Jordan unter. Er gehorcht im Glauben und wird geheilt. Er ist wie neu geboren, äußerlich und innerlich. Er hat die Macht des Gottes Israels erfahren. Er ist rein geworden. Jetzt will er diesem Gott dienen.

 

Naeman kehrt um mit einem Herzen voller Dankbarkeit. Er will den Elisa fürstlich belohnen. Aber der Prophet weigert sich, etwas anzunehmen. Der alte Mann erkennt darin die Tatsache, dass Gottes Erlösung unbezahlbar ist. Gottes Gnade ist frei und umsonst. Niemand kann sich das Heil erkaufen.

 

Naeman befolgte die Anweisungen Gottes. Der alte Mann weiß, dass unsere Rettung im Gehorsam gegen Gottes Wort liegt. Sünde und Schuld muss vor Gott eingestanden werden. Dann bekommt man Vergebung und Frieden geschenkt.

 

Der alte Mann bedauert, dass sich viele über eine so „einfache Methode“ ärgern. Das kann doch jeder Schwachsinnige, einfach die Sünden bekennen! Die Leute möchten etwas zu ihrer Erlösung beitragen. Dabei übersehen sie, wie gnädig Gott ist. Er gibt einen Rettungsweg, den selbst der Einfältigste gehen kann.

 

Das Einzige, das Gott von uns fordert, ist unsere völlige Bankrotterklärung. Dann handelt er nach seiner Macht und Liebe. Das Heil Gottes ist kein Geschäft. Keiner kann sagen, ich bin geheilt worden, aber ich habe es bezahlt. Wer auf seinen Beitrag zur Errettung vertraut, geht verloren. Alle eigenen Anstrengungen der Menschen erregen nicht Gottes Wohlgefallen, sondern seinen Zorn. Erlösung geschieht aus Gnade.

 

Aus Gnaden soll ich selig werden!

Herz, glaubst du`s oder glaubst du`s nicht?

Was willst du dich so blöd gebärden?

Ist`s Wahrheit, was die Schrift verspricht,

so muss auch dieses Wahrheit sein:

Aus Gnaden ist der Himmel dein.

 

Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen,

die eignen Werke fallen hin.

Gott, der aus Lieb im Fleisch erschienen,

hat diese Ehre zum Gewinn,

dass uns sein Tod das Heil gebracht

und uns aus Gnaden selig macht.

 

(Christian Ludwig Scheidt).

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller