Der alte Mann und eine kranke Gemeinde

(Offb. 3, 14 – 22)

Rolf Müller

 

Wer krank ist, braucht einen Arzt. Der Arzt stellt die Diagnose. Es gibt einen Befund. Der Arzt stellt ein Rezept aus und ordnet die Weiterbehandlung an. Unser Bibeltext ist Gottes Rezept für eine kranke Gemeinde.

 

Der alte Mann kennt den Arzt seit vielen Jahren. Er wurde selber von ihm behandelt und ist gesund geworden. Der Arzt ist die größte Kapazität, die man sich denken kann. Es gibt keinen besseren. Was er anordnet, hilft. Man kann sich auf ihn verlassen. Er ist der treue wahrhaftige Zeuge. Er sagt die Wahrheit. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Dieser Arzt wird nie eine falsche Diagnose stellen. Was er sagt, ist von größter Bedeutung.

 

Der alte Mann weiß aus Erfahrung, dass der Befund des Arztes immer zutreffend ist. Er kennt uns durch und durch. Er weiß genau, wo uns der Schuh drückt.

 

Der Name der kranken Gemeinde in unserem Text kann für viele Gemeinden auch in unserer Zeit stehen. Viele Gemeinden sind lau. Sie sind kein Zeugnis für den Herrn. Sie sind tolerant, haben keine Meinung. Sie sind gleichgültig und bewegen sich auf dem „goldenen“ Mittelweg. Sie sind mittelmäßig. Diese Gemeinden rufen beim Arzt einen Brechreiz hervor.

 

Den alten Mann wundert, dass diese Gemeinden sich selbst für gesund halten. Sie brauchen den Arzt nicht. Sie stellen ihre Diagnose selber. Alles ist gut! Alles ist richtig. Wir sind reich! Uns fehlt nichts! Es funktioniert! Wir sind eine vorbildliche Gemeinde! Wir haben jeden Sonntag volles Haus! Bei uns gibt es Kinder- und Jugendarbeit! Wir haben einen guten Chor! Bei uns geht die Post ab!

 

Der alte Mann kennt solche Gemeinden, über die man sich im Grunde nur freuen kann. Trotzdem muss gefragt werden: Sind wir noch auf dem schmalen Weg? Wie fällt das Urteil des Arztes aus?

 

Der alte Mann weiß, dass sich der Arzt nicht von der Fassade blenden lässt. Ihm kann man nichts vormachen. Er schaut hinter die Kulissen. Der Herr sieht das Herz an. Sein Urteil ist niederschmetternd: Du bist elend, jämmerlich, arm, blind und bloß.

 

Die reiche Gemeinde ist nicht zu beneiden. Was kann sie tun? Wie kann sie gesund werden? Der Arzt weiß genau, was sie tun muss. Weil die Gemeinde arm ist, muss sie Gold kaufen, das mit Feuer durchläutert ist. So wird sie reich. Weil die Gemeinde jämmerlich und nackt ist, muss sie weiße Kleider kaufen, damit ihre Schande und Blöße bedeckt wird. Weil die Gemeinde blind ist, braucht sie Augensalbe, damit sie sehen kann. Die Gemeinde muss ihre Verlorenheit erkennen und umkehren. Dann hat der Herr eine herrliche Verheißung für sie.

 

Der alte Mann freut sich, dass es für die kranke Gemeinde, die sich falsch eingeschätzt hat, Hoffnung gibt. Das Rezept, von der Lauheit wegzukommen, ist Jesus Christus und sein unfehlbares Wort. Damit kann der Heilungsprozess in Gang kommen. Nur der Herr Jesus Christus kann eine kranke schwache Gemeinde zu Überwindern machen. Er löscht den glimmenden Docht nicht aus und er wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen.

 

Lass mich einem Felsen gleichen,

der in Sturm und Wellen steht;

lass mich nicht zurücke weichen,

wenn mich Not und Tod umweht.

Sei mein Anker, der nicht bricht;

sei mein Stern und helles Licht,

dass ich nie von dir mich scheide

und am Glauben Schiffbruch leide.

 

Lass mich halten, was ich habe,

dass mir nichts die Krone nimmt.

Es ist deines Geistes Gabe,

dass mein Glaubensdocht noch glimmt.

Lösche nicht den Funken aus,

mach ein helles Feuer draus,

lass es ungestöret brennen,

dich vor aller Welt bekennen.

 

Jesu, hilf mir dir anhangen,

wie ein Schaf am Hirten hängt,

stets im Glauben dich umfangen,

wie mich deine Gnad umfängt.

Kommt es dann zur letzten Not,

so versiegle mir im Tod,

was ich hier geglaubt auf Erden

und lass es zum Schauen werden.

 

(Benjamin Schmolck).

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller