Der alte Mann und die Rechtfertigung

 Rolf Müller

 

Der Apostel Paulus bezieht sich in Römer 4,1-3 auf Abraham, den Vater des Glaubens. Ein Mensch wie Abraham hat viele gute Werke getan. Wer von uns könnte ihm das Wasser reichen? Wer von uns könnte sich mit ihm messen? Wenn sich jemand seiner Werke rühmen könnte, dann er.

 

Der alte Mann kennt viele Menschen, die aufgrund ihrer Werke vor Gott bestehen wollen. Viele Katholiken glauben, dass das möglich ist. Sie versuchen, genügend gute Werke zu tun, um gerettet zu werden. Was dann noch fehlt, wollen sie in diesem Leben durch Leiden und nach dem Tod im „Fegefeuer“ ausgleichen. Das war auch die Philosophie der berühmten Ordensschwester Mutter Teresa.

 

Der alte Mann gibt zu bedenken, dass keiner vor Gott hintreten und sagen kann: „Ich hab’s geschafft! Ich habe mir den Eingang ins Himmelreich verdient!“ Was der Einzelne auch immer glaubt, es hat noch keinen gegeben, der auf der Grundlage seiner Leistungen vor Gott bestehen konnte.

 

Auch Abraham konnte das nicht. Erlösung kommt aus Gnade. Es gibt keinen Platz für Werke. Es gibt keinen Grund zum Prahlen. Uns Menschen gefällt das überhaupt nicht. Es tut unserem Stolz weh, mit leeren Händen vor Gott treten zu müssen. Aber es gibt keinen anderen Weg. Es gibt keinen Sonderzugang zum Himmel. Unsere Rechtfertigung gründet sich auf das vollbrachte Werk Jesu Christi. Sie gründet sich nicht auf etwas, das wir selbst tun können. Selbst Abraham ist nicht durch seine Werke gerechtfertigt worden. Er konnte sich vielleicht rühmen, aber nicht vor Gott.

 

„Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden.“ Abraham war in Gottes Augen gerecht, weil er Gott glaubte. Das hatte nichts mit einem unverbindlichen diffusen Allerweltglauben zu tun. Abraham vertraute Gott. Er wusste, was Gott verheißt, das kann er auch tun.

 

Der alte Mann weiß, dass echter Glaube sich auf konkrete Verheißungen Gottes in seinem Wort stützt. Abraham vertraute bei jeder Glaubensprobe auf Gottes Verheißung. Wie ist das bei uns? Glauben wir dem Wort Gottes?

 

„Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.“ (Joh. 3,36). Glauben wir, dass Gott diese Verheißung erfüllen will? Dass er sie erfüllen kann? Wenn der alte Mann an Christus glaubt, dann hat er das ewige Leben. Glauben wir Gott oder glauben wir ihm nicht? Rettender Glaube ist kein Sprung ins Ungewisse, sondern die Antwort auf Gottes Verheißungen in seinem Wort. Gute Werke retten uns nicht. Die Sünde hat den Tod als Lohn. Unsere einzige Hoffnung ist die Gnade Gottes. Das Fundament unserer Erlösung durch Gnade ist das vollbrachte Werk Jesu Christi. Der Zugang ist unser Glaube. Nichts anderes gilt.

 

Ich freu mich in dem Herren

aus meines Herzens Grund,

bin fröhlich Gott zu Ehren

jetzt und zu aller Stund,

mit Freuden will ich singen

zu Lob dem Namen sein,

ganz lieblich soll erklingen

ein neues Liedelein.

 

In Sünd war ich verloren,

sündlich war all mein Tun,

nun bin ich neu geboren

in Christus, Gottes Sohn;

der hat mir Heil erworben

durch seinen bittern Tod,

weil er am Kreuz gestorben

für meine Missetat.

 

All Sünd ist nun vergeben

und zugedecket fein,

darf mich nicht mehr beschämen

vor Gott, dem Herren mein.

Ich bin ganz neu geschmücket

mit einem schönen Kleid,

gezieret und gesticket

mit Heil und Gerechtigkeit.

 

Dafür will ich ihm sagen

Lob und Dank allezeit,

mit Freud und Ehren tragen

dies köstliche Geschmeid,

will damit herrlich prangen

vor Gottes Majestät,

hoff darin zu erlangen

die ewge Seligkeit.

 

(Bartholomäus Helder).

 

Mit freudlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller