Der alte Mann und die Heiligung

 Rolf Müller

 

Das Thema Heiligung nimmt in der Bibel einen breiten Raum ein. Trotzdem kommt es in der Verkündigung eher selten vor. Was ist Heiligung? Wie sieht Heiligung praktisch aus? „Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen.“ „Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung.“ Heiligung ist nicht in unser Belieben gestellt.

 

Der alte Mann weiß, dass die Heiligung keine krampfhafte Anstrengung des Menschen ist, um vor Gott tadellos dazustehen. Wer das versucht, wird scheitern. Das geht schief. Ein Landwirt hat monatelang versucht, seiner Ziege das Fressen abzugewöhnen. Als er es schließlich geschafft hatte, war die Ziege tot. Das hat mit Heiligung nichts zu tun.

 

Heiligung beginnt mit unserer Wiedergeburt. Gott will, dass wir uns im Glaubensleben bewähren. Heiligung ist zu allererst Gottes Werk an uns. Gottes Heiliger Geist reinigt uns im Wasserbad des Wortes Gottes. Heiligung kann ich nicht selbst zuwege bringen. Gott will sein Werk an uns tun. Dafür nimmt er sich Zeit. Heiligung ist ein Prozess, bei dem wir fortlaufend von Gott abhängig bleiben. Der Herr Jesus hat seinen Jüngern gesagt: „Seid vollkommen, so wie mein Vater im Himmel vollkommen ist!“

 

Der alte Mann erschrickt vor diesem Wort. Wie soll er denn vollkommen sein? Wie könnte er eine solche Heiligkeit zuwege bringen? Das ist doch unmöglich! Aber der alte Mann weiß auch, dass alles, was bei Menschen unmöglich ist, bei Gott möglich ist. Der Herr Jesus hat versprochen: „Ich heilige mich selbst für sie. Vater, heilige sie in deiner Wahrheit.“ Der Herr Jesus ist uns gemacht zur Heiligung. Wenn wir nichts sind, ist der Herr alles. Es ist alles Gnade.

 

Wenn Gott dem alten Mann die Augen öffnet und ihm zeigt, was in seinem Herzen ist, muss er erschrecken. Da tun sich Abgründe auf. Da vergeht aller Stolz. Das bringt unseren Dickkopf auf Normalmaß. Das macht unser hartes Herz empfindsam. Das ist praktische Heiligung.

 

Meines Wissens hat der Herr Jesus nur einmal gesagt: „Lernt von mir!“ Er hat nicht gesagt: „Lernt von mir, wie man erfolgreich die Welt evangelisiert! Lernt von mir, wie man die Werke des Teufels zerstören kann!“ Er sagte: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig!“ Warum hat der Herr Jesus wohl gerade das gesagt?

 

Der alte Mann vermutet, weil es das Dringendste ist, was er lernen soll. „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist: Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Das ist Heiligung. Aber der alte Mann entdeckt bei sich selber immer noch einen verdeckten Stolz. Er will immer noch etwas sein, vor sich selber, vor den Leuten und vor Gott. Das liegt in seiner Natur.

 

Es ist nicht schön für uns, wenn Gott offenbar macht, was in unserem Herzen ist. Für das Reich Gottes sind es Sternstunden, weil der Herr heiligt.

 

„Ihr aber seid in Christus Jesus, welcher uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.“ (1. Korinther 1, 30).

 

 

Wohl denen, die da wandeln

vor Gott in Heiligkeit,

nach seinem Worte handeln

und leben allezeit;

die recht von Herzen suchen

Gott und seine Zeugnis halten.

 

Von Herzensgrund ich spreche:

dir sei Dank allezeit,

weil du mich lehrst die Rechte

deiner Gerechtigkeit.

Die Gnad auch ferner mir gewähr;

ich will dein Rechte halten,

verlass mich nimmermehr.

 

Mein Herz hängt treu und feste

an dem, was dein Wort lehrt.

Herr, tu bei mir das Beste,

sonst ich zuschanden wird.

Wenn du mich leitest, treuer Gott,

so kann ich richtig laufen

den Weg deiner Gebot.

 

Dein Wort, Herr, nicht vergehet,

es bleibet ewiglich,

soweit der Himmel gehet,

der stets beweget sich;

dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit

gleich wie der Grund der Erden,

durch deine Hand bereit.

 

(Cornelius Becker).

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller