Der alte Mann und die Gemeinde Philadelphia

(Offenbarung 3, 7-12)

Rolf Müller

 

In Philadelphia lebt ein armer Haufen als christliche Gemeinde zusammen. Diese Christen sind in herzlicher Liebe miteinander verbunden. Nach außen hin war es keine prachtvolle Schar, aber die Gemeinde steht unter der Führung Jesu. Die Liebe zum Herrn drückt sich in der Liebe zu den Brüdern und Schwestern aus. Das ist das Erkennungszeichen in Philadelphia. Echte Bruderschaft erkennt man an der Liebe untereinander.

 

„Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids.“ So stellt sich der Herr der Gemeinde vor. Jesus Christus ist die Wahrheit in Person. Er hat den Schlüssel Davids. Wenn Jesus aufschließt, kann niemand zuschließen. Wenn er zuschließt, schließt niemand auf. Jesus hat den Schlüssel zum Reich Gottes in der Hand. Er entscheidet über drinnen und draußen.

 

Philadelphia wird vom Herrn gelobt. Drei Dinge werden genannt. Die Gemeinde hat eine kleine Kraft. Sie hat das Wort Gottes treu bewahrt. Sie hat den Namen des Herrn nicht verleugnet.

 

Der alte Mann ist überrascht, dass Jesus hier die kleine Kraft der Gemeinde lobt. Heute begehrt man doch eher große Kraft und Vollmacht. Die Gemeinde Philadelphia konnte nicht mit großen imponierenden Dingen aufwarten. Sie hatte wahrscheinlich keinen Chor, keinen großen Jugendkreis und keine einflussreichen Perönlich-keiten in ihren Reihen. Die Christen dort waren eine eher armselige Schar, die von sich aus nichts hatte und nichts konnte. Sie lebten von der Gnade des Herrn. Im Wissen um ihre kleine Kraft klammert sich Philadelphia an das Wort Gottes.

 

Der alte Mann liest, dass die Gemeinde von Jesus eine offene Tür bekommt. Sie hat mit dem Evangelium Zugang zu den Menschen in ihrer Umgebung. Es kommen Menschen zum Glauben. Die kleine unscheinbare Schar war eine missionarische Gemeinde. Sie gab das lebendige Zeugnis von Jesus Christus weiter. Sie tat in Treue und Demut ihren bescheidenen Dienst.

 

Dem alten Mann fällt auf, dass Philadelphia am Wort Gottes und dessen absoluter Zuverlässigkeit festhält. Sie verleugnet den Namen des Herrn nicht. Und das alles bei einer „kleinen“ Kraft. Der Name Philadelphia bedeutet Bruderliebe. Bruderliebe ist das Zeichen wahrer christlicher Gemeinschaft. Einer solchen Gemeinde steht Jesus Christus zur Seite. Er bewahrt sie vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird.

 

Der alte Mann weiß, dass wir alle keine Helden sind. Wir können die schweren Wege nur in der Kraft Jesu gehen. Er trägt die Seinen durch die Fluten und hilft uns. In der Stunde der Versuchung ist Christsein riskant. Es ist kein Kinderspiel. Aber wir dürfen wissen, dass der Herr Jesus Christus seine Hand über uns hält. Unser Glaube kann wanken, aber der Herr hält uns fest. Man kann auf dem Felsen stehen und zittern. Der Felsen zittert nicht. Der Felsen ist Jesus Christus und sein teuerwertes Wort.

 

Gott will’s machen, dass die Sachen

gehen wie es heilsam ist.

Lass die Wellen drohn und schwellen,

wenn du nur bei Jesus bist.

  

Glaub nur feste, dass das Beste

über dir beschlossen sei.

Wenn dein Wille nur ist stille,

wirst du von dem Kummer frei.

 

Willst du wanken in Gedanken,

fall in die Gelassenheit.

Lass den sorgen, der auch morgen

Herr ist über Freud und Leid.

 

Wann die Stunden sich gefunden,

bricht die Hilf mit Macht herein;

um dein Grämen zu beschämen,

wird es unversehens sein.

 

Darum trage deine Plage,

sei getrost und fasse Mut.

Wer das Leiden will vermeiden,

bringt sich um das beste Gut.

 

Amen, Amen, in dem Namen

meines Jesus halt ich still.

Es geschehe und ergehe,

wie und wann und was er will.

 

(Johann Daniel Herrnschmidt)

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller