Der alte Mann und die biblische Gemeinde

Rolf Müller

 

Der alte Mann vertraut der Bibel. Er weiß, die Bibel ist Gottes Wort. Die Bibel ist Wahrheit. Diese Wahrheit muss verkündigt werden. Es geht um die gesamte Botschaft. Keine Aspekte der Wahrheit dürfen zurückgehalten werden. Die Heiligkeit Gottes und sein Gericht müssen genauso gepredigt werden wie seine Liebe und Gnade. Wir dürfen nichts auslassen. 

 

Der alte Mann fürchtet sich nicht, Anstoß zu erregen. Satan ist erfinderisch, wenn es darum geht, Menschen zu täuschen und zu betrügen. Deshalb ist es Pflicht, soweit der Herr Erkenntnis geschenkt hat, zu warnen. Damit macht man sich oft nicht gerade beliebt. Aber wer nicht warnt, macht sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Verführung beginnt meist schleichend und unbemerkt. Jede Aushöhlung beginnt mit einzelnen Tropfen und kann am Ende gewaltige Ausmaße annehmen.

 

Der alte Mann möchte im Folgenden auf einige Prinzipien hinweisen. In manchen Gemeinden unterscheidet sich der Gottesdienst kaum von einer Unterhaltungsveranstaltung. Die Schrift wird auf den Kopf gestellt. Christlicher Gottes-       dienst ist oft ein Spiegelbild der Welt. Der Mensch und nicht Gott steht im Mittelpunkt. Heute sagt man: "Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist!" Sollte sie nicht in erster Linie für ihren Herrn da sein?

 

Heute heißt das Motto: "Sorgt für Unterhaltung und Kurzweil, damit auch die zu uns kommen, denen das Evangelium nicht genügt". Mit der guten Absicht, die Welt zu gewinnen, verwandelt man die Gemeinde Gottes in einen Spielplatz. Die Grenzlinie zwischen Welt und Gemeinde wird beseitigt. Der Trend geht hin zur Weltförmigkeit. Entgegen der Anweisung der Bibel ist man zusammengejocht mit den Ungläubigen.

Der alte Mann befürchtet, wir haben das Wort Gottes verloren. Nicht, dass wir die Bibel verloren hätten Es gibt genug Bibeln in Deutschland. Das Problem ist, dass wir nicht auf das Wort Gottes hören. Die Bibel bewirkt nichts bei uns. Viele Gemeinden haben sich still und leise von der Wahrheit der Schrift verabschiedet und sind damit bedeutungslos geworden. Sie nehmen die gesellschaftlichen Probleme wichtiger als die Anliegen Gottes.

 

Aber damit Menschen zum Glauben kommen, ist es notwendig, dass sie das Wort Gottes hören. Der  Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aber aus dem Wort Gottes.

Der alte Mann merkt, dass auch das Gebet in manchen Gemeinden nicht die biblische Ausrichtung hat. Gott will, dass wir ihm vertrauen. Wir dürfen unser Herz vor ihm ausschütten und alles in seine guten Hände legen. "Dein Wille geschehe!" Gebet ist Ausdruck der persönlichen Gemeinschaft mit Gott, die im Glauben besteht. Das Gebet ist nicht als Instrument gegeben, mit dem man irgend-welche Resultate erzielen kann. Der Satz: "Gebet verändert die Welt!" ist schlicht falsch. Nicht wir durchs Gebet, sondern Gott  ändert Dinge, wenn er es  will. "Aufgabe des Beters ist nicht, Gottes Pläne zu ändern, sondern ihn zu verherrlichen und für diese Pläne zu danken". Ist uns das beim Beten bewusst?

 

Der alte Mann weiß, dass wir oft versuchen, Gott bei der Erfüllung unserer Bitten etwas nachzuhelfen. Wir geben Gott Ratschläge, wie er es machen soll. Wir wollen unsere Anliegen so schnell wie möglich gelöst haben. Wir folgen Jesus nicht nach, sondern laufen ihm voraus. Das ist Kleinglaube. Vieles, was in der heutigen Gemeindearbeit getan wird, geschieht auf dieser Grundlage. Ist das dann wirklich Frucht des Geistes und Segen Gottes?

 

Dem alten Mann fällt auf, dass wir in einer Zeit der Inflation des Wortes leben. Das Wort hat einen geringen Kurswert gegenüber dem Bild. Das Bild beherrscht uns. Theologen bemängeln, die Gottesdienste seien zu "wortlastig". Der Mensch müsse mit allen Sinnen angesprochen werden. Man will die gesunde Lehre der Bibel nicht ertragen. Im Leben vieler Christen haben außergewöhnliche Erlebnisse einen höheren Wirklichkeitswert als die Schrift. Viele glauben nicht mehr der Schrift, sondern stützen sich auf Erfahrungen. Das Wort wird beiseite gesetzt. Menschliche Aktivitäten und Programme lösen die Autorität der Bibel ab. Das Reich Gottes soll von den Christen jetzt schon auf Erden verwirklicht werden.

 

Der alte Mann fragt sich, ob wir als Gemeinde noch auf biblischem Boden stehen oder vom Zeitgeist geprägt sind? Was können wir tun? Die Bibel muss in unseren Reihen wieder höchste Priorität haben. Im Mittelpunkt der Predigt muss der gekreuzigte Christus stehen. Das Evangelium darf nicht so verdreht werden, dass es mit den Ansichten der Welt überein-stimmt. Die Bibel ist Gottes Wahrheit. Sie ist unduldsam Irrtümern gegenüber. Heute will man Einheit auf Kosten der Wahrheit bewerkstelligen. Damit stellen wir uns gegen Gott.  Wahrheit kann nicht mit Irrtum zu etwas Gutem kombiniert werden. Unser Auftrag ist, Gottes Wort zu bewahren. Anpassung an den Zeitgeist ist tödlich für die Gemeinde. Auf welchem Weg ist unsere Gemeinde? Ist sie erbaut auf dem Fundament Jesus Christus und auf der Lehre der Apostel? Alles hängt davon ab, ob wir Gottes Wort bewahren. Nur dann werden auch wir bewahrt in der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Weltkreis kommen wird.

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller