Der alte Mann und die biblische Gemeinde

Rolf Müller

 

Wie definiert die Bibel die Gemeinde Jesu? Wie stellen wir uns die Gemeinde Jesu vor? Der alte Mann hat im Wort Gottes viele Vergleiche gefunden.

 

Gemeinde ist der Leib Christi. Christus das Haupt, wir die Glieder. Gemeinde Jesu ist ein Organismus. Einer braucht den anderen. Jeder hat andere Gaben und Fähigkeiten. Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit.

 

Die Gemeinde Jesu wird mit einem Bau verglichen. Ein Bau erfordert einen Plan, einen Architekt, einen Baumeister. Die Gemeinde hat ein Fundament, lebendige Steine und den Eckstein Jesus Christus. Werkzeuge sind nötig, der Bau wächst. Die Fassade darf nichts übertünchen.

 

Weiter hat der alte Mann den Vergleich mit der Familie gefunden. In einer Familie gibt es Gaben und Aufgaben. In der Familie findet Erziehung statt. Familie bietet Geborgenheit, Sicherheit und Zusammenhalt. Es gibt Gespräche mit dem Vater und untereinander. In der Familie werden Kinder geboren. Man kann sich die Geschwister nicht aussuchen.

 

Einen weiteren Vergleich erkennt der alte Mann im Bild des Hirten mit seinen Schafen. Wenn die Schafe auf sich allein gestellt sind, sind sie hilflos und dumm. Sie sind abhängig vom Hirten. Er behütet und bewahrt sie. Die Schafe erkennen die Stimme des Hirten und folgen ihm.

 

Auch das Bild vom Weinstock und den Reben möchte der alte Mann auf die Gemeinde beziehen. Es zeigt die Abhängigkeit der Gemeinde von ihrem Haupt, Christus. Die Rebe muss am Weinstock bleiben. Nur dann gibt es Wachstum, Nahrung, Verwurzelung, Reinigung und Frucht.

 

Einen anderen Vergleich bietet die Ehe. Die Bibel spricht von Braut und Bräutigam und von der Brautgemeinde. Dem alten Mann fallen dabei die Begriffe Liebe, Treue, Hingabe, Vertrauen, Aufopferung, Unterordnung, Wertschätzung und Eins sein ein. Wenn die Beziehung nicht in Ordnung ist, ist die Gemeinde krank. Eine gesunde biblische Gemeinde wird nicht von großen Zahlen, sondern von Beziehungen geprägt. Jesus Christus selber baut seine Gemeinde.

 

Der alte Mann hat darüber nachgedacht, welche Merkmale eine biblische Gemeinde aufweist. Eine vollkommene Gemeinde wird es auf Erden nicht geben. Sie wird eine Gemeinde in Knechtsgestalt sein. Nach den Aussagen der Bibel sollten aber in einer Gemeinde die folgenden Kennzeichen vorhanden sein.

 

Die Leitung muss sich einig sein im Blick auf ein gemeinsames Ziel. Maßgebend muss sein, was Gottes Wort sagt. Man soll sich nicht über Dinge streiten, die nicht in der Bibel stehen. Es sollen von der Bibel keine Abstriche gemacht werden, es darf aber auch nichts hinzugefügt werden. Man muss denselben Glauben haben und miteinander beten und arbeiten können.

 

Die Anbetung darf nicht zu kurz kommen. Anbetung führt zur Bewunderung: „Das hat mein Gott gemacht!“ Anbetung macht klein und demütig. Gott ist groß, und ich bin klein. Unser Herr ist Jesus Christus, erweisen wir ihm die gebührende Ehre?

 

Die Ältesten einer Gemeinde dürfen nicht demokratisch gewählt werden. Es geht nicht um eine Mehrheitsentscheidung. Sie sollen eingesetzt werden unter Gebet. Auch der Herr Jesus hat seine Jünger unter Gebet erwählt. Gott schenkt Klarheit.

 

Ein Problem in der Gemeinde kann unbereinigte Sünde sein. Die Sünde wird nicht erkannt, man verdrängt sie. Man schiebt sie auf andere. Die Sünde muss erkannt, bekannt und vergeben werden. Unbereinigte Sünde belastet das Glaubensleben.

 

Der Leiter einer biblischen Gemeinde darf kein Alleinherrscher sein. Die Gemeinde stagniert bei einem Ein-Mann-System. Ein Leiter sollte inspirieren, nicht dominieren. Er sollte keinen Zwang ausüben.

 

Der alte Mann ist ergriffen, wenn er in Apostelgeschichte 20,27-38 liest, wie Paulus den Brüdern in Ephesus die Prinzipien seines Dienstes erklärt.

 

Gemeinde Jesu wird letzten Endes nicht von Menschen gebaut, sondern vom Herrn selber. Bei allen Mängeln und Fehlern, die der Gemeinde hier noch anhaften, ist sie doch eine Einrichtung des Himmels. Jesus Christus ist in seiner Gemeinde präsent. Durch ihn zeigt sich die Herrlichkeit der Gemeinde. Durch ihn wird die Fülle der Gnade und Wahrheit sichtbar. Er schenkt die Einheit im Herzen. Er schenkt das Eins sein in der Liebe. Er vertraut uns und ermutigt uns, das Evangelium weiter zu sagen. Er sendet uns. Er vertraut uns seine Gemeinde an. Er wird das gute Werk, das er angefangen hat, vollenden. Sind wir dankbar für die Brüder und Schwestern in der Gemeinde?

 

Der alte Mann möchte zum Schluss noch einen anderen Gesichtspunkt ansprechen. Auch wenn sich mancher das wünscht, Gemeinde Jesu ist noch keine triumphierende Gemeinde. „Wir sind noch in der Hütten, wir liegen noch zu Feld.“ Wir sind noch auf der Erde.

 

Die Gemeinde wird vom Feind Gottes angegriffen. Er versucht auf vielfältige Weise die Gemeinde zu zerstören. Entscheidend wird sein, ob wir auf dem Boden der Heiligen Schrift stehen. Die Gefährdung ist allgegenwärtig. Heute macht man gemeinsame Sache mit Irrlehrern und nennt es missionarisch. Abgrenzung wird als lieblos bezeichnet. Bibeltreue Leute haben nicht nur die Welt gegen sich, sondern werden auch oft von den eigenen Glaubensgeschwistern ausgegrenzt.

 

Machen wir als Christen alles mit oder haben wir Mut zum Widerstand? Kapitulieren wir vor dem antichristlichen Geist? Ist es klüger, sich anzupassen?

 

Unser Auftrag heißt, dem Herrn Jesus und dem Wort Gottes treu zu bleiben. Da wollen und dürfen wir keine Abstriche machen. Wir brauchen als Gemeinde Jesu Mut zu einem klaren Zeugnis. Die Verheißung liegt auf der kleinen Herde. Der Herr steht auf unserer Seite. „Unverzagt und ohne Grauen, soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen.“ Wir dürfen uns im guten Willen des Vaters geborgen wissen.

 

„Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl.

Das macht die Seele still und friedevoll.

Ist´s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh,

Du weißt den Weg für mich, sei´s spät, sei´s früh.

 

Du weißt den Weg ja doch, du weißt die Zeit,

dein Plan ist fertig schon und liegt bereit.

Ich preise dich für deiner Liebe Macht,

ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht.

 

Du weißt, woher der Wind so stürmisch weht,

und du gebietest ihm, kommst nie zu spät.

Drum wart ich still, dein Wort ist ohne Trug.

Du weißt den Weg für mich, das ist genug.

 

Hedwig von Redern.

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller