Der alte Mann und der Weinstock

 Rolf Müller

 

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ (Joh. 15,5).

 

Wenn der alte Mann in Christus bleibt, lösen sich alle Verkrampfungen. Selbstgerech-tigkeit, Selbstrechtfertigung, Selbsterlösung sind kein Maßstab mehr. Der alte Mann verliert die Angst, bei Gott jederzeit aus der Gnade fallen zu können. Er ist sich seiner Gnadenstellung bewusst. Er wird von sich selber frei, zum Dienst für seinen Herrn. Nicht um Gnade zu erlangen, sondern aus Dankbarkeit und Freude darüber, dass er begnadigt ist. Der alte Mann sieht, was er in Christus hat. Er schaut nicht darauf, was ihm noch alles fehlt.

 

Die Stellung in Christus und der Wandel in Christus müssen unterschieden werden. Auf Grund unserer Stellung in Christus sind wir gerettet. Bei unserem Wandel in Christus geht es um Lohn. Das darf nicht vermischt werden.

 

Der alte Mann muss seine Errettung nicht erkämpfen, sie ist ihm geschenkt. Sie kann nicht verdient werden, wohl aber die Belohnung. Wenn die Begriffe Rettung und Lohn nicht auseinander gehalten werden, entsteht eine Verzerrung. Die Bibel bringt unseren Wandel nie in Zusammenhang mit unserer Errettung. Gnade erhalten wir geschenkt ohne Werke. Errettet werden wir in Christus, dem erhöhten und verherrlichten Sohn Gottes. In Christus sein bedeutet ein Hängen und Haften am Sohn Gottes. Es geht um ein inniges Verbunden sein mit ihm. Wie die Rebe verbunden ist mit dem Weinstock, ist der Gläubige verbunden mit Christus. Wie der Fisch im Wasser, wie der Vogel in der Luft, so lebt der Gläubige in Christus, seinem Lebenselement. Unsere Rettung liegt allein in ihm. In Christus wird der Gläubige befähigt zu einem heiligen Wandel.

 

Der alte Mann hat in seinem langen Leben erfahren, was Heiligung nicht ist. Es geht nicht um Sündlosigkeit und Perfektionismus. Da würde man den alten Adam ignorieren, der lebt nämlich noch. Es geht auch nicht um eine Reparatur am alten Menschen. Es geht ebenfalls nicht um Resignation, um ein sich abfinden mit der Sünde. Es geht nicht darum, die Flinte ins Korn zu werfen.

 

Biblische Heiligung heißt, in Christus Jesus zu bleiben. Durch das Bleiben der Rebe am Weinstock entsteht Frucht. Alles Mühen ohne den Herrn Christus bleibt fruchtlos. Unser eigenes Ringen ist letztlich wertlos und bringt nicht den erhofften Erfolg. „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“

 

Ich lass dich nicht,

du musst mein Jesus bleiben!

Will rauhe Not, Welt, Hölle, Tod,

mich aus der festen Burg der Treue treiben,

nur her, ich halte mich,

mein starker Held an dich;

hör, was die Seele spricht:

Du musst mein Jesus bleiben.

Ich lass dich nicht, ich lass dich nicht!

 

Ich lass dich nicht,

du Hilf in allen Nöten!

Mich reißt das Grab von dir nicht ab!

Wenn es auch scheint,

als wolltest du mich töten.

Machs wie du willst mit mir,

ich weiche nicht von dir.

Ich suche dein Gesicht, du Hilf in allen Nöten.

Ich lass dich nicht,ich lass dich nicht!

 

Ich lass dich nicht!

Sollt ich den Segen lassen?

Nein, Jesus, nein!

Du bleibest mein; dich halt ich noch,

wenn ich nichts mehr kann fassen.

Nach kurzer Nächte Lauf

geht mir der Segen auf

von dir, dem Segenslicht.

Sollt ich den Segen lassen?

Ich lass dich nicht, ich lass dich nicht!

 

Ich lass dich nicht,

mein Gott, mein Herr, mein Leben!

Mich reißt das Grab von dir nicht ab,

der du dich hast für mich in Tod gegeben.

Du starbst aus Liebe mir;

ich sag in Liebe dir,

auch wenn das Herz zerbricht:

Mein Gott, mein Herr, mein Leben,

ich lass dich nicht, ich lass dich nicht!

 

Wolfgang Christoph Deßler.

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller