Der alte Mann und der Sünder

Rolf Müller

 

Sind alle Menschen Sünder? Sind alle Menschen schuldig vor Gott? Nach der Bibel: Ja! Das wollen aber die Wenigsten wahrhaben. Natürlich gibt es Menschen, die Sünder sind. Aber wir doch nicht! Da gibt es doch riesige Unterschiede zwischen Sündern und uns!

 

Dem alten Mann wurde oft erklärt, warum man nicht zu den Sündern gehört. Viele sind überzeugt, dass Gott sie schon annehmen wird. Schließlich bemühen sie sich. Sie spenden Geld. Sie sind zur Katze und zur Großmutter freundlich. Sie gehen sogar ab und zu in den Gottesdienst. Sie fügen niemand Leid zu und sind auch keine Terroristen. Sie sind sich keiner Schuld bewusst. Sie sind besser als viele andere Menschen in ihrem Bekanntenkreis.

 

Der alte Mann liest in der Bibel: „Denn es ist hier kein Unterschied, sie sind allesamt Sünder.“ (Römer 3,22-23). Das erregt Widerspruch und Empörung. Man will nicht glauben, was die Bibel sagt, und so geht man in seinen Sünden verloren. Wenn ein Mensch nicht die ganze Tiefe seiner Schuld vor Gott begreift, kann er nicht erlöst werden. Solange er nicht weiß, wie verzweifelt er auf Erlösung angewiesen ist, wird er Jesus nicht als Herrn und Retter annehmen. Da ist dann die Verkündigung des Evangeliums sinnlos. Die Gesunden brauchen keinen Arzt. Jesus rettet nur Sünder, keine Gerechten.

 

Der alte Mann ist dankbar, dass er ohne Verdienst gerecht wird, allein aus Gnade. Diese Gnade ist gratis. Sie ist gratis für uns, weil der Herr Jesus den Preis bezahlt hat. Die Sache ist bereinigt. Weil Christus den Preis bezahlt hat, sind alle, die glauben, in Gottes Augen gerechtfertigt. „Sein Kreuz bedeckt meine Schuld, sein Blut macht hell mich und rein.“

 

Gottes Liebe erweist sich nicht darin, dass er Sünde vergibt. In gewissem Sinn kann keine Sünde einfach so vergeben werden. Gottes Liebe zeigt sich vielmehr darin, dass er seinen einzigen Sohn Jesus Christus gesandt hat. Der hat den Preis bezahlt, der alle unsere Sünde bedeckt. Die Grundlage unserer Erlösung ist das vollbrachte Werk Jesu Christi. Der Zugang zu dieser Erlösung ist unser Vertrauen auf Gott. Unser Glaube an sich hat keine erlösende Wirkung.

 

Wir werden nicht durch unseren Glauben erlöst. Aber der Glaube ist die Tür, die uns in diese Erlösung hineinführt. Unser Glaube besteht einfach darin, dass wir dieses Geschenk annehmen. Alle, die so an den Herrn Jesus glauben, spricht Gott gerecht.

 

Der alte Mann ist dankbar, dass Gott für uns diese wunderbare Möglichkeit der Erlösung durch das vollbrachte Werk Jesu Christi geschaffen hat. Alle Menschen sind schuldig und stehen unter dem Zorn Gottes. Alle Menschen brauchen die gleiche Erlösung. „Denn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“ (Römer 3, 22-24).

 

Ach mein Herr Jesus, wenn ich dich nicht hätte

und wenn dein Blut nicht für die Sünder red´te,

wo wollt ich Ärmster unter den Elenden

mich sonst hinwenden?

 

Ich wüsste nicht, wo ich vor Jammer bliebe;

denn wo ist solch ein Herz, wie deins voll Liebe?

Du, du bist meine Zuversicht alleine,

sonst weiß ich keine.

 

Ich bin in Wahrheit eins der schlechtsten Wesen,

das du dir, lieber Heiland, hast erlesen;

und was du tust, das sind Barmherzigkeiten

auf allen Seiten.

 

Hättst du dich nicht zuerst an mich gehangen,

ich wär von selbst dich wohl nicht suchen gangen;

du suchtest mich und nahmst mich voll Erbarmen

in deine Arme.

 

Nun dank ich dir vom Grunde meiner Seelen,

dass du nach deinem ewigen Erwählen

auch mich zu deiner Blutgemeinde brachtest

und selig machtest.

 

Hör niemals auf, dich so zu offenbaren,

wie wir’s bis auf den heutgen Tag erfahren;

verherrliche an uns, Herr, deinen Namen

ohn Ende! Amen.

 

(Christian Gregor).

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller