Der alte Mann und das Sendschreiben Ephesus

(Offenbarung 2,1-7)

Rolf Müller

 

Jesus Christus ist mitten unter seiner Gemeinde. Wir sind von Gott gehaltene Leute. Gott hat uns im Griff. Das ist ein Beweis seiner Allmacht und Gegenwart. Das bedeutet Bewahrung.

 

Der alte Mann weiß, dass Gott uns nicht krampfhaft festhält. Er weiß, welche Gefahr droht, wenn wir Gott loslassen. Wenn wir nicht mehr von Gott gehalten sind, sind wir ungehalten, haltlos. Der Herr Jesus gibt uns die Chance, neu zu ihm zu kommen.

 

Der Herr kennt seine Gemeinde. Er kennt unsere Werke. Die drei Prüfungspunkte für Ephesus sind Arbeit, Geduld und Liebe. Der Herr lobt die Arbeit der Gemeinde Ephesus. Er bestätigt ihr einen ganzen Einsatz. Der alte Mann fragt sich, ob sein Einsatz im Reich Gottes wohl auch ein Lob von Jesus bekommen würde? Ihm ist klar, dass er keine Schwerstarbeit im Reich Gottes leistet. Könnte er hier mit Ephesus mithalten? Wahrschein-lich nicht.

 

Wir halten es oft schon für eine große Leistung, wenn wir die Gemeindeveranstaltungen regel-mäßig besuchen. Wir glauben, dass wir Gott damit einen Gefallen tun. Dabei ist es doch umgekehrt. Gott dient doch uns!

 

Der alte Mann fragt sich, ob der Herr Jesus auch unsere Geduld loben könnte wie bei Ephesus? Geduld bedeutet drunter bleiben. Wir sind meist sehr nervös und ungeduldig. Den alten Mann wundert es, dass der Herr Geduld damit erklärt, dass Ephesus die Bösen nicht tragen kann. Er meint hier nicht die Schwachen, sondern die Bösen. Sie sind bösartige Wölfe im Schafspelz. Die Lügenapostel geben sich als Apostel aus. Der Gemeinde wird lobend bescheinigt, dass sie die Wölfe nicht gestreichelt, sondern geprüft hat.

 

Die Gemeinde steht in der Gefahr, dass alles bedenkenlos geschluckt wird, aber auch dass von vornherein alles abgelehnt wird. Beides ist falsch. Es muss geprüft werden. Dazu gehört Geduld. Die war in Ephesus vorhanden. Die Gemeinde bewies Geduld im Prüfen und im Kreuztragen. Aus der Verführung in Ephesus wurde bald Verfolgung.

 

„Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlassen hast.“ Die Gemeinde hat die erste Liebe verlassen. Der Herr Jesus hat uns zuerst geliebt. Die erste Liebe kommt nicht von Menschen. Sie kommt von Gott. Durch sie haben wir Zugang und Gemeinschaft mit Gott. Diese Gemeinschaft versucht der Teufel zu untergraben.

 

Wie steht es bei uns? Bleiben wir in der ersten Liebe? Der alte Mann glaubt, dass damit kein Stehenbleiben am Anfang gemeint ist. Der Herr will, dass wir wachsen und Fortschritte machen. Aber diesen Anfang greift der Teufel immer wieder an.

 

„Die Liebe wird in vielen erkalten.“ Die erste Liebe erleidet den Kältetod. Der Glaube wird zum Scheinglauben, die Gemeinde zum evangelischen Kühlhaus. Wir haben es immer wieder nötig, uns zu besinnen, unser Leben an der Schrift zu überprüfen. Wir sollen auf den Herrn und sein Wort hören.

 

Haben wir hörfähige Ohren für Gottes Stimme? Man kann trotz Ohren taub werden und schließlich auch stumm. Das ist lebensgefährlich für eine Gemeinde.

 

Der alte Mann weiß, dass es andere Stimmen gibt, die uns gefangen nehmen wollen. Die Welt ist eine einzige Geräuschkulisse. Auf Gott zu hören, erfordert Kampf. „Ringet danach, dass ihr stille seid!“ Wer die Anfechtung überwindet, bekommt den Siegesspruch. Die Verheißung geht weit über das hinaus, was die Welt geben kann.

 

Jesus, hilf siegen

und lass mir’s gelingen,

dass ich das Zeichen

des Sieges erlang;

so will ich ewig

dir Lob und Dank singen,

 

Jesus, mein Heiland,

mit frohem Gesang.

Wie wird dein Name

da werden gepriesen,

wo du, o Held,

dich so mächtig erwiesen.

 

(Johann Heinrich Schröder).

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller