Der alte Mann und Anselm Grün

Rolf Müller

 

Unsere Gäste hatten für die Hausfrau einen Blumenstrauß und für den alten Mann ein Buch mitgebracht. Es hieß: „Vom Glück des Älterwerdens – mehr Gelassenheit und Weisheit“ von Pater Anselm Grün. Schon aus Gründen der Höflichkeit unseren Gästen gegenüber hat der alte Mann das Buch gelesen.

 

Vom Buchtitel lächelte ihm das Foto des vollbärtigen Paters mit den freundlichen Augen zu. Das Buch ist in einer gut leserlichen Schrift gedruckt und mit schönen Fotos ausgestattet.

 

Die Bücher Anselm Grüns sind in Millionenauflagen weltweit verbreitet. Der „spirituelle Aufbruch aus dem Kloster“ zieht viele Menschen an. Anselm Grün vermittelt Weisheiten aus aller Welt.

 

Der alte Mann findet praktische Ratschläge zum Älterwerden, aber es ist kein christliches Buch. Viele Psychologen und katholische Mystiker werden zitiert. Der alte Mann hat Sprichwörter und Weisheiten aus vielen Ländern gefunden. Anselm Grün vertritt ein anderes Evangelium als die Bibel. Er sieht den Menschen nicht als verlorenen Sünder. Er hat einen guten Kern und die Fähigkeit, sich selbst zu erlösen.

 

Das Wort Gottes spielt bei Anselm Grün eine untergeordnete Rolle. Er empfiehlt, für Verstorbene zu beten und mit ihnen in Verbindung zu treten. Er glaubt an Totengeister als Lebensberater. Das hat mit biblischer Wahrheit wenig zu tun.

 

Anselm Grün empfiehlt, durch Atemgebet und Meditation in den „eigenen Seelengrund“ zu gelangen. Durch Horchen auf den Leib könne man in Berührung mit seinem Selbst kommen. In der Stille, so Grün, werde man eins mit Gott. Himmel und Erde verbinden sich zu tiefen Augenblicken des Glücks. In jedem Menschen sei ein Raum der Stille, in dem Gott wohnt.

 

Anselm Grün glaubt, dass alle Menschen Kinder Gottes sind. In jedem Menschen sei Christus und ein guter Kern.

 

Der alte Mann gibt zu bedenken, dass sich die Mystik Anselm Grüns praktisch mit jeder Irrlehre und jeder falschen Religion verbinden kann. Bei Grün findet man Gott im Seelengrund des Menschen als eine Art kosmische Kraft.

 

Dem alten Mann ist unverständlich, wie eine derart eindeutig falsche Lehre solche Zustimmung in evangelikalen Kreisen finden kann. Grüns Botschaft ist kein Evangelium, sondern humanistisches New-Age-Denken. Ihm kommt es auf die Vermittlung von allgemeinen Weisheiten an. Man kann als Christ bei Grün durchaus Anregung für die Lebensführung erhalten. Trotzdem ist Vorsicht und geistliches Unterscheidungsvermögen geboten.

 

Anselm Grün legt das Gewicht ausschließlich auf Lebensweisheit. Er nimmt Anleihen beim fernöstlichen Denken, ebenso beim Zen-Buddhismus, bei der griechischen Philosophie und bei der Gnosis der Antike. Das christliche Gedankengut ist ihm zu eng, es genügt ihm nicht. Er leugnet biblische Tatsachen und versucht sie, weg zu erklären. Ungeachtet dessen hat Grün in vielen christlichen Gemeinden einen hohen Bekanntheitsgrad. Seine Bücher hat der alte Mann auf vielen Büchertischen auch bei ansonsten biblischen Gemeinden gefunden. Anselm Grün trifft offenbar einen aktuellen Nerv des heutigen vom Zeitgeist beeinflussten Christentums. Er gibt sich christlich, ist es aber nicht. Er verbreitet ein antichristliches Gedankengut und verkündigt einen anderen Christus.

 

Der Blumenstrauß, den unsere Gäste für die Hausfrau mitbrachten, ist inzwischen längst verwelkt. Das Buch von Anselm Grün hat der alte Mann gelesen. Es verwelkt nicht in absehbarer Zeit. Was nun? Behalten möchte es der alte Mann nicht, weitergeben aus naheliegenden Gründen natürlich ebenfalls nicht. Vielleicht sollte der alte Mann den Rat eines Bekannten, bei dem es allerdings um ein anderes Buch ging, befolgen: „Man sollte dieses Buch nicht achtlos beiseitelegen, sondern mit Schwung in die Ecke feuern!“

 

„Es ist in keinem andern Heil,

kein Name uns gegeben,

in dem uns Gnade wird zuteil

und Fried und ewges Leben,

als nur der Name Jesus Christ,

der selig macht und Retter ist:

Ihm sei Lob, Preis und Ehre!

 

Herr Christ, um deines Namens Ehr

halt uns in deinem Frieden,

den Glauben stärk, die Liebe mehr,

dein Gnad sei uns beschieden;

gib Hoffnung uns in dieser Zeit,

führ uns zu deiner Herrlichkeit.

Dir sei Lob, Preis und Ehre.“

 

J. A. Freylinghausen.

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller