Der alte Mann fragt: „Was bringt mir der Glaube?“

Rolf Müller

 

Der alte Mann muss feststellen, dass immer weniger Gläubige bereit sind, Aufgaben in ihrer Gemeinde zu übernehmen. Für zeitlich begrenzte Arbeit finden sich vielleicht noch Leute, vorausgesetzt es macht Spaß. Auf längere Sicht ist allerdings kaum jemand bereit. Es fehlt an Mitarbeitern. Eine oftmals egoistisch geprägte „Gabentheologie“ hat diesen Zustand noch verstärkt.

 

Der alte Mann bemerkt eine ichbezogene Glaubenshaltung. Es wird gefragt: „Was bringt mir das? Was habe ich davon?“ Man vergisst dabei, dass der Sohn Gottes sein Leben ließ, damit wir leben können.

 

Ein weiterer Punkt ist der Gottesdienst. Dem alten Mann fällt auf, dass erweckliche und streitbare Glaubenslieder ihre Anziehungskraft verloren haben. Sie werden durch leichtverdauliche Wohlfühlsongs ersetzt, die wegen des oft schwachen Inhalts gleich mehrfach wiederholt werden. Der Unterhaltungswert wird wichtiger als die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Sünde passt nicht ins Bild. Es geht überwiegend um ein geistlich gefärbtes Wohlfühlprogramm, aber nicht um die Rettung aus ewiger Verdammnis. Es sind mehr die menschlichen Bedürfnisse im Blick als der radikale Ruf des Herrn Jesus zur Umkehr.

 

Viele wollen etwas erleben. Der alte Mann vertraut dem Herrn Jesus Christus nicht erst dann, wenn er ein besonderes Erlebnis hat. Er bleibt ihm nicht erst dann treu, wenn er seine Gegenwart körperlich spürt. Er weiß, Jesus Christus ist da, weil er es in seinem Wort gesagt hat. Das genügt. Ein Glaube, der sich nur auf Erfahrungen stützt, steht auf wackligen Beinen. Er ist von positiven Eindrücken abhängig.

 

Christen tun sich mit dem Kreuz oft schwer. Schmerzen, Traurigkeit, Unrecht, Gewalt, los lassen müssen, Sterben. Es gibt so viele offene Fragen. Auch der alte Mann bleibt davon nicht verschont. Warum hält er trotzdem am Glauben fest? Weil er gerade in schweren Zeiten die Nähe Jesu erfährt. Die Gemeinschaft im Glauben mit Jesus Christus hilft ihm, Hindernisse zu überwinden.

 

Praktisches Christsein heißt, Jesus nachzufolgen. Nachfolge ist das Gegenteil von Abweichen oder Zurückbleiben. Es besteht die Gefahr, dass sich kurzzeitige Erlebnisse in den persönlichen Glauben einschleichen und eine dominierende Rolle übernehmen. Viele reisen von einem Kongress zum andern und fehlen in ihrer Gemeinde. Sie suchen immer neue und immer stärkere Impulse. Am Ende verlieren sie die Orientierung und die Kraft.

 

Die Frage nach der biblischen Richtigkeit wird kaum noch gestellt. Sie wird als lästig empfunden. Man versucht, eigene Lebensträume mit angenehmen Glaubenserlebnissen aufzufüllen.

 

Der alte Mann hält das für den Grund, warum es vielen Gemeinden so schwer fällt, verlässliche Mitarbeiter zu finden. Es passt nicht zu einer Spaßkultur, sich Woche für Woche hinzusetzen, um sich für den Jugendkreis, die Seniorenarbeit oder für die Wortverkündigung vorzubereiten.

 

Wer Jesus Christus halbherzig folgt, wird bald mit ganzem Herzen woanders sein. Der alte Mann fragt nicht, was ihm das Christsein bringt. Er weiß es. Er will hier nur einige wenige Punkte aufzählen.

 

Christsein ist das Ende der Einsamkeit. Der Herr ist da. Wir werden gehalten und geführt. Durch Jesus Christus haben wir einen offenen Himmel und Zugang zum Vater. Er hört uns und kennt uns. Mit ihm können wir über Mauern springen. Willst du noch mehr Fakten erfahren, was das Christsein uns bringt? Lies die Bibel!

 

Weil denn weder Ziel noch Ende

sich in Gottes Liebe find`t,

ei so heb ich meine Hände

zu dir, Vater, als dein Kind,

bitte, wollst mir Gnade geben,

dich aus aller meiner Macht

zu umfangen Tag und Nacht

hier in meinem ganzen Leben,

bis ich dich nach dieser Zeit

lieb und lob in Ewigkeit.

 

(Paul Gerhardt).

 

Mit freundlicher Genehmigung

Autor: Rolf Müller